Mona Vagedes

Mona Vagedes wurde  in Düsseldorf geboren.
Nach Lehr-und Wanderjahren in Lateinamerika und Europa lebt und arbeitet sie in ihrer Heimatstadt.

 

Was Blau für mich bedeutet“

Blau ist für mich mehr als ein Farbton – es ist ein Gefühl. Ein Raum, der sich öffnet, sobald der Pinsel die Leinwand berührt. Blau trägt Stille in sich, aber auch Bewegung. Es ist die Farbe, die mich in die Tiefe führt, dorthin, wo Intuition entsteht. In seinen hellen Nuancen spüre ich Weite und Freiheit, in den dunklen Schichten Melancholie und Intensität. Dieses Blau ist mein Resonanzraum: Es spiegelt, was in mir klingt, und lädt andere ein, darin ihre eigenen Gefühle zu entdecken.

Mona Vagedes - Porträt

Warum ich nur in Blautönen arbeite“

Ich arbeite ausschließlich in Blautönen, weil Blau mir die größte Ehrlichkeit erlaubt. Keine andere Farbe lässt so viel Raum für Nuancen – für Ruhe und Energie, für Klarheit und Geheimnis. Blau zwingt mich, präzise zu sein, und schenkt mir gleichzeitig unendliche Freiheit. Es ist ein Dialog zwischen mir und der Leinwand, der ohne Ablenkung stattfindet. Die Reduktion auf Blau ist für mich kein Verzicht, sondern eine Konzentration: auf Emotion, Tiefe und die Essenz des Bildes.

 

„Von der leeren Leinwand zum fertigen Werk“

Am Anfang steht die Stille des weißen Raums. Ich trete davor, warte, bis sich ein Gefühl formt – ein Impuls, ein Rhythmus, ein innerer Klang. Dann entsteht der erste Blauton, oft zart, manchmal dunkel und schwer. Schicht für Schicht wächst der Raum, verdichtet sich, öffnet sich wieder. Ich folge dem Prozess, statt ihn zu kontrollieren. Das Werk entscheidet mit, wohin es will. Erst wenn die Oberfläche zu atmen beginnt, wenn Ruhe und Energie im Gleichgewicht sind, weiß ich: Jetzt ist es vollständig.

 

In den Höhlen von Lascaux gibt es die Farbe Blau nicht. Die paläolithischen Künstler benutzten meist Pigmente aus Eisenoxid in Rot, Ocker- und Brauntönen. Aber in den Grabmalereien der Etrusker gab es blaue Pferde und Menschen mit leuchtend blauer Haut. Cäsar war zutiefst beeindruckt von der blauen Kriegsbemalung der Britannier. Er schrieb „atque hoc horribiliores sunt in pugna aspectu“, dadurch sehen sie im Kampf noch schrecklicher aus. Vielleicht haben die flächendeckenden Tatoos aus diesem Grund ihren Siegeszug um den Erdball angetreten können.

Die Farbe Blau kennt zahlreiche Nuancen, Blau ist überall. Erst mit der Erfindung von Preußisch Blau im Jahr 1704 begann die industrielle Produktion künstlicher Pigmente. Der Status des Seltenen und Kostbaren wich der gewöhnlichen Verwendung. Und ermöglicht mir 300 Jahre später, den Blick, mit dem ich die Welt betrachte, auf die Leinwand zu bannen.

Stets bildet die weiß, schwarz oder blau grundierte Fläche in meinem bevorzugten Format von 80 x 120 cm den Ausgangspunkt. Anschließend folgt Farbschicht auf Farbschicht, aufgetragen mit Pinsel, Schwamm, Malmesser und Rakel. Die Bilder entstehen in einem mehrwöchigen Prozess, der von Überarbeitung geprägt ist. Immer wieder kommen Materialien zum Einsatz wie Gips, Sand und Glasperlen. Der dreidimensionale Eindruck, der dadurch entsteht, verleiht den Bildern eine ungewöhnliche Tiefe.

Meine Einsichten über die Farbe Blau verdanke ich Alexander Theroux: Blau – Anleitungen eine Farbe zu lesen.